RWI in den Medien

Energiewende: Kosten nur schwer quantifizierbar

ener | gate messenger plus | Nachrichten vom 12.04.2018

Berlin (energate) - Die Kosten der Energiewende sind auch für Experten nur schwer abzusehen. Das zeigte sich bei einem prominent besetzten Experten-Talk auf Einladung des Forums für Zukunftsenergien in Berlin.

In der Politik kursieren immer wieder unterschiedliche Zahlen. Aber die seien zumeist auch "politisch motiviert", sagte Felix Matthes, Forschungskoordinator Energie und Klimapolitik beim Öko-Institut. "Wir tun gut daran, uns auf die Systemkosten zu fokussieren statt auf Einzelkomponenten wie die EEG-Umlage", betonte er. Zudem müssten in der Kalkulation auch "Benefits für das Klima" berücksichtigt werden, also die Gesamtkosten senkende Faktoren.

Christoph Schmidt, Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, verwies auf eine kürzlich von der Wissenschaftsakademie Acatech vorgelegte Studie, die die Kosten der Energiewende auf zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2016 oder kumuliert bis 2050 auf zwei bis drei Billionen Euro bezifferte. Nicht enthalten seien darin aber externe Kosten oder volkswirtschaftliche Aspekte wie Beschäftigungseffekte und Exportchancen. Schmidt nannte diese Zahlen "Hausnummern", die sich nur auf Deutschland beziehen. "Klimaschutz kann aber nur international gelingen", betonte er.

CO2-Bepreisung als zentrales Instrument
Als wesentliches Instrument für den Klimaschutz sehen sowohl Matthes als auch Schmidt einen international abgestimmten CO2- Preis. Die Sektorenkopplung und damit die Verdrängung fossiler Energien auch aus den Bereichen Wärme und Verkehr klappe nur über eine einheitliche CO2-Bepreisung, sagte RWI-Präsident Schmidt. Ein Preis von 50 Euro pro Tonne würde eine weitgehend CO2-neutrale Stromversorgung günstiger machen, erklärte Matthes. Denkbar sei, damit im CWE-Verbund zu starten, also in der Stromregion Zentralwesteuropa. Das hatte Großbritannien, das genauso wie Frankreich eine nationale Regelung zur CO2-Bepreisung erlassen hat, kürzlich vorgeschlagen.

Stromsektor bleib zentral
"Die Dekarbonisierung des Stromsektors ist Voraussetzung für die Energiewende und muss zentraler Handlungsbereich bleiben", betonte Mattes weiter. "Für andere Sektoren ist das ein längerer Weg." Ein CO2-Preis für den Verkehr von 50 Euro wäre wahrscheinlich nicht ausreichend, so Matthes. "Es gibt eine abenteuerliche Spannbreite der Bepreisung innerhalb der Sektoren. In dieses bizarre Bepreisungssystem muss Ordnung gebracht werden", forderte der Politik-Experte des Öko-Instituts. Dazu gehöre auch, den Marktaustrittsprozess für CO2-intensive Technologien zu organisieren. Jedes Versorgungssystem müsse dabei seine eigenen Kosten tragen.

Hoch