RWI in den Medien

Die Turbo-Mädels

Express Köln vom 08.04.2018

Sie stehen auf Mathe und Naturwissenschaften, werden mit 17 Jahren ein super Abi hinlegen und haben alle schon klare Vorstellungen davon, wie es im Leben weitergeht. Diese vier jungen Abiturientinnen, die Sonntag-EXPRESS zum Interview bat, könnten als Paradebeispiel am Girl's Day (26. April) aufgeführt werden. Wie wichtig solch eine Frauenpower ist? Schauen Sie selbst!

VON ANDREA KAHLMEIER
Mit dem Turbo-Abi in acht Jahren haben Paulina, Lydia, Mara und Lina Marie keine Probleme gehabt. Die vier bewerten ihre Schulzeit allesamt als "schön und ziemlich entspannt". Zeit für Feten haben sie sich immer genommen, dennoch haben sie am Rösrather Freiherr- vom-Stein-Gymnasium ehrgeizig ihr Ziel verfolgt: Abitur, möglichst besser als der Durchschnitt.

Und das ist allen gelungen: 2017 bestanden 47 503 Mädchen ihr Abi (Schnitt 2,39) und 39 128 Jungen (Schnitt 2,53). Jugendforscher Prof. Hurrelmann: "In Studien zeigen bereits sechs- bis zwölfjährige Mädchens eine hohe Motivation. Sie wollen Karriere und Familie, sie wollen alles." Doch die Statistik zeigt ein anderes Zukunftsbild. 2017 hatten rund 13,1 Prozent der Frauen in Deutschland kein eigenes Einkommen. Bei den Männern waren es rund 6,5 Prozent.

Nach wie vor: Männer wollen Mechatroniker werden und studieren Mint- Fächer, Frauen machen eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement, sind überrepräsentiert bei Sprach- und Kulturwissenschaften. Deshalb begrüßt das Schulministerium NRW Tage wie Boys- oder "Girls' Day - Mädchen- Zukunftstag" und verweist auf die Aktionskarte Girl'sDay-Radar mit 9700 Angeboten im Netz.

Professuren an den NRW-Unis bleiben in Männerhand (1240 Frauen kommen auf 3745 Männer). Kein Interesse? Ach was. "In den Berufungsgremien sitzen überwiegend Männer. Und Pinguine stellen Pinguine ein", so Anja Vervoorts, Gleichstellungsbeauftragte der Uni Düsseldorf.
Die Kluft zwischen den Gehältern von Männern und von Frauen ist fast nirgendwo in Europa so groß wie in Deutschland: 22 Prozent Differenz beim durchschnittlichen Stundenlohn.

Vereinbarkeit von Familie und Karriere? Noch immer ein Wunschtraum. Wenn Frauen studieren, reduziert das die Wahrscheinlichkeit um ein Viertel, dass sie Kinder bekommen. Das geht aus einer Studie des Essener RWI-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Karriere heißt meistens Vollzeitjob. Doch ohne Kitaplatz geht da nichts...

Männern allein die Schuld für dieses Dilemma in die Schuhe zu schieben, wäre jedoch falsch. Nur 25 Prozent der Frauen, die in eine Führungsposition wollen, glauben, dass sie diese erreichen werden oder fordern sie ein. Weg mit der falschen Bescheidenheit! Unsere vier Abimädels aus Rösrath könnten das ändern...

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