RWI in den Medien

Strommarkt sortiert sich völlig neu

Energie: Chinesischer Staatskonzern will Beteiligung an Netzbetreiber 50Hertz / E.ON könnte vom Austausch mit RWE profitieren.

Mannheimer Morgen Stadtausgabe vom 13.03.2018

Berlin. Millionen Stromkunden und Zehntausende Beschäftigte sind von einer großen Neuordnung der bundesdeutschen Energiewirtschaft berührt. Vor allem für Stromnetze, aber auch für Kraftwerke ändern sich die Besitzverhältnisse. So will beim Netzbetreiber 50Hertz, dem die Starkstromleitungen in Hamburg und Ostdeutschland gehören, erstmals ein chinesisches Unternehmen einsteigen. Im Westen wollen die Konzerne E.ON und RWE große Teile ihrer Netze, sowie die Öko-, Kohle-, Gas-und Atomkraftwerke neu sortieren.
Steigender Umsatz und Gewinn
Bei seiner Bilanzpressekonferenz gab der Vorstand von 50Hertz gestern in Berlin steigenden Umsatz und Gewinn bekannt. Im Jahr 2017 stammte erstmals über die Hälfte des im 50Hertz- Gebiet verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien. An dieser Entwicklung will das Unternehmen State Grid Corporation of China (SGCC) partizipieren und 20 Prozent der Anteile von 50Hertz übernehmen. Es gehört dem chinesischen Staat.
Rechtlich sind der Bundesregierung die Hände gebunden. Laut Außenwirtschaftsgesetz kann sie einschreiten, wenn ausländische Käufer 25 Prozent und mehr von einheimischen Firmen erwerben wollen, die sogenannte „kritische Infrastruktur“ betreiben. Die Starkstromleitungen gehören dazu – doch die Chinesen wollen nur 20 Prozent.
„Es ist positiv, dass der Standort Deutschland für ausländische Investoren attraktiv erscheint“, sagte Bernd Westphal, der für die SPD im Bundestag sitzt. Im Gespräch mit dieser Zeitung warnte der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion: ,,Wir müssen überprüfen, ob die Eingriffsschwelle des Außenwirtschaftsgesetzes noch ausreicht. Ein Ergebnis könnte sein, dass die 25 Prozent zu hoch sind und wir sie senken. Im Zuge der augenblicklichen Auseinandersetzung um die Globalisierung sollten Deutschland und Europa ihre Instrumente schärfen.“
Gleichzeitig arbeiten die beiden größten deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE am gegenseitigen Austausch zentraler Geschäftsfelder. E.ON will die RWE-Tochter Innogy kaufen und sich fast ausschließlich auf den Betrieb von Stromnetzen und den Vertrieb der Elektrizität konzentrieren. RWE soll im Gegenzug alle Öko- und Atomkraftwerke von E.ON übernehmen, sowie eine Beteiligung von 16,7 Prozent an E.ON erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Brigitte Zypries (SPD) begrüßten die geplante Transaktion gestern.
Große Probleme bei Innogy
Erst vor wenigen Jahren hatten sich die beiden Energiefirmen jeweils eine neue Struktur gegeben. RWE behielt die traditionelle Stromerzeugung mit Kohle, Gas und Atomkraft im Stammhaus und lagerte das Zukunftsgeschäft mit Windund Solarenergie, Netzen und Vertrieb in seine neue Tochter Innogy aus.
Innogy hat große Probleme. Nach Gewinnwarnung und Kursverlust musste Vorstandschef Peter Terium im vergangenen Dezember seine Stelle räumen. Eine Botschaft der geplanten Rochade zwischen den beiden Konzernen könnte lauten, dass beide keine große Zukunft in den erneuerbaren Energien sehen. „E.ON könnte von dem angestrebten Geschäft profitieren“, sagte Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Der Betrieb von Stromnetzen verspräche eine sichere Rendite. „Der Sinn für RWE erscheint dagegen unklar. Allenfalls besteht er darin, einen Teil der hohen Schulden abzubauen.“

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