RWI in den Medien

"In einem Handelskrieg würden alle verlieren"

Der Chef der Wirtschaftsweisen rät Europa, sich unabhängiger von den USA zu machen.

Rheinische Post Duisburg vom 06.03.2018

Essen Die Zoll-Androhungen des US-Präsidenten richten sich auch gegen deutsche Stahl- und Auto-Hersteller. Zu den Folgen von Trumps Handelspolitik sprachen wir mit Christoph Schmidt, Präsident des RWI/Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Chef der Wirtschaftsweisen.
Zölle auf Stahl und Autos einerseits, auf Harley-Motorräder und Orangen andererseits: Sind wir schon im Handelskrieg?

Schmidt: Man sollte nicht in die Falle tappen, sich über die grobe Rhetorik und die plumpen Argumente des US-amerikanischen Präsidenten so aufzuregen, dass die eigene markige Wortwahl dann wieder nur die Eskalation zulässt. Einen Handelskrieg haben wir noch lange nicht, wir sollten ihn auch nicht aktiv anstreben.

Können die USA einen solchen Handelskrieg gewinnen?

Schmidt: Die gesteigerte internationale Arbeitsteilung der vergangenen Jahrzehnte hat für alle Beteiligten große Wohlfahrtsgewinne gebracht. Spiegelbildlich dazu gilt: In einem Handelskrieg würden alle verlieren und keiner gewinnen. Selbst ein möglicherweise dadurch verringertes US-amerikanisches Handelsdefizit wäre doch nun wirklich kein Sieg: Wieso sollten die US-Bürger sich freuen, wenn ihr Präsident es schafft, mit dem Handelsdefizit eine wichtige Quelle ihres Lebensstandards abzuwürgen?

Wie würden Autozölle, die Trump zuletzt angedroht hat, die deutsche Wirtschaft treffen?

Schmidt: Zölle auf Autos würden natürlich der deutschen Autoindustrie schaden, da dadurch ihre Produkte ohne nachlassende Qualität für die US-amerikanischen Kunden weniger attraktiv würden. Aber aufgrund der intensiv miteinander verwobenen grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten und des durch internationalen Wettbewerb entstehenden Innovationsdrucks, die dadurch gehemmt würden, wären Zölle für die USA mit am schädlichsten.

Wie sollten Bundesregierung und EU auf Trumps Zollandrohungen reagieren? Sind Gegenmaßnahmen wie Zölle auf Whiskey, der in republikanisch regierten Staaten hergestellt wird, überhaupt sinnvoll?

Schmidt: Man sollte sicherlich nicht überhastet reagieren, aber da Präsident Trump wohl offenbar darauf aus ist, die Grenzen zu testen, ist es wohl unvermeidlich, irgendwann freundlich aber bestimmt die eigenen Möglichkeiten der Gegenmaßnahmen zu zeigen. Gleichzeitig könnte die EU jedoch versuchen, den Handel mit anderen Regionen zu intensivieren und so zum einen unabhängiger von den USA zu werden und zum anderen die Vorteile freien Handels aufzuzeigen.

Hoch