RWI in den Medien

Der Umbau der Energiekonzerne ist längst nicht abgeschlossen

dpa-Basisdienst vom 05.03.2018

Die Energiewende hat die Stromriesen Eon und RWE schwer gebeutelt. Die Suche nach neuen Gewinnbringern ist schwierig. Hinzu kommen Spekulationen über die Zukunft der RWE-Tochter Innogy.
Essen (dpa) - Als «wichtiges Investment » mit «großen Zukunftschancen» hatte die RWE-Ökostromtochter Innogy vor eineinhalb Jahren ihren Einstieg bei dem Berliner Start-up Move24 angekündigt. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Im vergangenen Monat musste der Online-Umzugsspezialist, der vom Strom- und Gasanschluss bis zum Telefon alles für den Kunden in der neuen Wohnung regelt, Insolvenz anmelden.
Der Milliardenkonzern Innogy hat dadurch keinen großen finanziellen Schaden, weniger als 10 Prozent halten die Essener an dem Start-up. Bei Wagniskapital- Investitionen seien solche Fehlschläge «nicht unüblich», heißt es bei Innogy. Der Fall zeigt aber, wie schwer es für Energiekonzerne ist, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Gewinne aus vielen kleinen Quellen einzusammeln. Das dürfte sich auch zeigen, wenn RWE und Co. in diesem Monat ihre Bilanzen für 2017 vorlegen. Im Jahr 2016 hatten sich die beiden Energieriesen RWE und Eon unter dem Druck von Milliardenverlusten aufgespalten. RWE brachte das Geschäft mit erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und dem Netz unter dem Namen Innogy an die Börse und behielt die konventionellen Großkraftwerke und den Strom- Großhandel. Eon machte es umgekehrt. Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze blieben bei der Mutter, Kohle- und Gaskraftwerke gingen an die Tochter Uniper.
Eon und Innogy verdienen ihr Geld vor allem mit den Stromnetzen. Und das dürfte vorerst auch so bleiben. «Auf absehbare Zeit sehe ich neben den Netzen kaum etwas anderes, was zuverlässig Gewinne abwirft», sagt Prof. Manuel Frondel, Energieexperte des RWI Leibniz- Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen. Und ganz so stark sprudele diese Quelle auch nicht mehr, weil die Bundesnetzagentur die Gebühren gekürzt habe. «Die Renditen aus den Netzen waren bisher ziemlich sicher. Sie fallen jetzt schmaler aus.»
Vor allem für Innogy sind es turbulente Zeiten. Im Dezember 2017 musste Vorstandschef Peter Terium seinen Hut nehmen. Nach einer Gewinnwarnung war der Innogy-Kurs in den Keller gerauscht und hatte auch die Aktien der Konzernmutter RWE auf Talfahrt geschickt. Denn RWE, mit 77 Prozent Hauptaktionär von Innogy, ist auf gute Dividendenzahlungen der Ökostrom-Tochter angewiesen.
Die Suche nach einem Nachfolger für Terium wird von wiederholten Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns begleitet. Auch Eon wird dabei Interesse an den Netzen des Essener Nachbarn nachgesagt. Kürzlich musste Innogy sogar versichern, in der Aufsichtsratssitzung an diesem Dienstag würden «ausdrücklich keine wie auch immer gearteten Szenarien in Bezug auf einen Verkauf des Unternehmens behandelt ».
Eon hat mit der Noch-Tochter Uniper ganz andere Probleme. Für knapp 3,8 Milliarden Euro verkauft Eon seinen Anteil von etwa 47 Prozent an den finnischen Fortum-Konzern. Pro Aktie zahlen die Finnen inklusive Dividende 22 Euro. An der Börse wird das Uniper- Papier mit mehr als 24 Euro bewertet. Eon-Chef Johannes Teyssen muss sich deshalb vor Kritik seiner Aktionäre wappnen, er habe die Tochter unter Wert abgegeben. Zumal die sich mit einer kräftigen Dividendenerhöhung weiter aufhübscht.

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