RWI in den Medien

Chef-Wirtschaftsweiser fordert CO 2 -Abgaben für alle

Schmidt unterstützt die Forderung der Dax-Konzerne, auf Klimagas einen einheitlichen Preis zu erheben – auch im Verkehr.

Westdeutsche Allgemeine WAZ vom 20.02.2018

Von Autor: Stefan Schulte Essen.
Der Chef-Wirtschaftsweise Christoph M. Schmidt wünscht sich von einer neuen Großen Koalition mehr Mut beim Klimaschutz. Der Präsident des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung dringt darauf, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) für alle Wirtschaftsbereiche mit einem einheitlichen Preis zu belasten, um den Verbrauch zu senken. Union und SPD konnten sich im Koalitionsvertrag nicht auf eine CO2- Bepreisung einigen.
„Es ist in der Tat sehr unglücklich, dass der Koalitionsvertrag die Chance verpasst hat, deutlich zu machen, dass ein einheitlicher Preis für CO2 als das langfristig zentrale Steuerungsinstrument der Energiewende etabliert werden müsste“, sagte Schmidt dieser Zeitung. Stattdessen setzten die potenziellen Koalitionäre auf ein „Weiter so“ in der Energiewende, „was auf Dauer nicht funktionieren wird“, warnt der Vorsitzende des Sachverständigenrats, der die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät. „Man müsste stattdessen jetzt die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr sektorenübergreifend zusammenbinden, und zwar mit einem einheitlichen Preis für CO2“, fordert er.
Bisher werden Abgaben auf den CO2- Ausstoß lediglich vom produzierenden Gewerbe und den Stromerzeugern kassiert, nicht aber im Verkehr und der Wohnungswirtschaft, die mit Gebäudedämmungen und sparsameren Heizungen viel Wärmeenergie sparen könnte.
Deshalb hatten auch die Dax-Konzerne in einer Handelsblatt-Umfrage die Klima-Agenda der mutmaßlich nächsten GroKo als nicht weitgehend genug kritisiert und einen CO2-Preis für alle Sektoren gefordert.
Schmidt unterstützt sie darin. Die Politik müsse das Ziel verfolgen, die volkswirtschaftlichen Ressourcen zu schonen. Ein einheitliches Preissignal sei nötig, „um Investitionen in die richtigen Bahnen zu lenken“, sagte er und betonte: „Langfristig sollte die Politik daran arbeiten, dass dieses Preissignal weltweit greift.“
Dass Konzerne und Ökonomen breit angelegte Abgaben fordern, ist ungewöhnlich. Beim Klimaschutz sind Experten jedoch davon überzeugt, dass nur ein funktionierender Handel mit Verschmutzungsrechten Erfolg verspricht. „Weder die deutsche Energiewende noch der globale Klimaschutz werden je kostenfrei zu haben sein“, meint Schmidt, „es handelt sich vielmehr um Investitionen, die heute Kosten aufwerfen, um später Erträge zu bringen.“

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