RWI in den Medien

Neue Elektrogeräte sparen Strom, lohnen aber womöglich nicht

Wann rechnet sich der Umstieg?

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.02.2018

ami. BERLIN, 9. Februar. Die Frage stellt sich für energiebewusste Verbraucher immer wieder: Das Gerät ist zwar schon an die zehn Jahre alt und noch gut in Schuss, aber eine neue Waschmaschine, Geschirrspüler oder Kühlschrank brauchen erheblich weniger Strom. Da die Strompreise die Budgets privater Haushalte in den vergangenen Jahren stärker belastet haben, erscheinen stromsparende Maßnahmen immer ökonomischer. Wann aber lohnt der Umstieg?
Die Frage ist auch klimapolitisch von Bedeutung: So will die neue Regierung den Energieverbrauch bis 2050 halbieren. Auch für die Reduzierung der CO2- Emissionen spielen Haushalte und die dort installierten Stromfresser eine Rolle. Rund ein Achtel der Kohlendioxid- Emissionen gehen auf die Kappe der Haushalte. Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist der Frage näher auf den Grund gegangen. Nicht immer, so lautet das Fazit der Forscher, zahle sich der Wechsel zum stromsparenden neuen Elektrogerät aus. Entscheidend für eine Rechnung sind mehrere Punkte, vor allem aber sollte der Verbraucher seinen Elektrizitätsverbrauch kennen. Da die meisten Leute aber nicht über die passenden "smarten Messgeräte" verfügen, wissen sie oft nicht, wie viel Strom der Kühlschrank oder die Waschmaschine verbraucht. Dadurch ist ungewiss, wie viel Geld sich durch die Investition in ein neues Elektrogerät mit geringerem Stromverbrauch einsparen lässt. Allerdings werden Strommessgeräte im Fachhandel auch schon für niedrige zweistellige Eurobeträge angeboten. Eine Anfangsinvestition, die sich auszahlen kann.
Denn das Nachrechnen lohnt sich, wie die RWI-Studie zum Stromverbrauch in privaten Haushalten zeigt. Die Berechnungen in der Studie basieren auf zwei umfangreichen Erhebungen über den Stromverbrauch von mehr als 2000 Haushalten in den Jahren 2011 bis 2013 und deren Ausstattung mit Elektrogeräten. Dabei werden für den Betrieb eines alten Kühlschranks durchschnittlich rund 300 Kilowattstunden (kWh) im Jahr angenommen, für einen Gefrierschrank 400 kWh. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh kostet der Betrieb der Geräte jährlich also 90 und 120 Euro. Würde der Haushalt den Kühlschrank durch ein energieeffizientes Gerät ersetzen, das statt 300 nur 160 kWh verbraucht, könnte er rund 42 Euro im Jahr sparen. Ob die Anschaffung lohnt, hängt dann vom Preis des Neugerätes ab, womöglich auch von den Kosten des eigens angeschafften Strommessgerätes. Bei einem aktuellen Marktpreis von 700 Euro "würde sich eine solche Investition innerhalb der durchschnittlichen Lebensdauer von Kühlschränken von zehn Jahren jedoch nicht rechnen", stellen die Forscher fest. Auch unter Umweltgesichtspunkten könne der Austausch des alten Kühlschranks gegen einen neuen unvorteilhaft sein. Denn zur Herstellung eines neuen Kühlschranks müssten wiederum erhebliche Mengen an Energie aufgewandt werden, auch würden dabei Treibhausgase emittiert. Noch weniger lohnen würde sich diese Investition, wenn der neue Kühlschrank die durchschnittliche Lebensdauer von zehn Jahren deutlich unterschreiten oder der Haushalt einen günstigen Stromtarif finden würde, der deutlich unterhalb des durchschnittlichen Preisniveaus von aktuell 30 Cent je kWh läge. Dagegen würden sich solche Investitionen eher rechnen, wenn das zu ersetzende Gerät einen überdurchschnittlich hohen Verbrauch hat und dann auch noch die Strompreise steigen. "Es lohnt sich also, den Stromverbrauch des zu ersetzenden Gerätes zu ermitteln und auf dieser Grundlage über den Kauf eines neuen zu entscheiden", schreiben die Forscher. Ihr Ablaufplan für den energiebewussten Verbraucher lautet: erst messen, dann rechnen und danach über den Kauf entscheiden.
Sie haben auch festgestellt, dass der Stromverbrauch bei gleichen Gerätetypen in den einzelnen Haushalten stark differiert. So war der Stromverbrauch je Lampe im sparsamsten Viertel der Haushalte nur ein Drittel so hoch wie im obersten Viertel. Haushalte mit geringem Verbrauch verwendeten zudem einen größeren Anteil des Stroms für elementare Anwendungen wie Kühlen und Kochen. Haushalte mit einem mittleren Stromverbrauch nutzen rund ein Viertel des Stromverbrauchs zur Kühlung, 15 Prozent für Information und Kommunikation, also den Betrieb von Fernsehgeräten, Computern oder Notebooks.

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