RWI in den Medien

Studie: Mehr Kriminalität durch anerkannte Flüchtlinge

Asylbewerber erhöhen demnach die Kriminalitätsrate nicht / Mehr Diebstahl, aber nicht mehr Gewaltverbrechen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.02.2018

ppl. FRANKFURT, 7. Februar. Es ist eine politisch heikle Frage: Gibt es mehr Kriminalität durch den starken Zustrom von Flüchtlingen und Migranten nach Deutschland, in der Mehrzahl junge Männer aus dem Nahen Osten und Nordafrika? Spätestens seit der Eskalation der Flüchtlingskrise 2015 und seit der gewaltsamen Kölner Silvesternacht wird darüber diskutiert. Im Jahr 2016 präsentierte das Bundeskriminalamt erstmals ein "Lagebild". Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums versicherte: "Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche."
Eine neue, noch unveröffentlichte Untersuchung eines Ökonomen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen kommt zu differenzierten und auch überraschenden Ergebnissen. "Asylbewerber erhöhen die Kriminalitätsrate nicht, anerkannte Flüchtlinge hingegen schon", lautet das Fazit der ökonometrischen Auswertung. Der Befund widerspricht der Aussage von Innenminister Thomas de Maizière, dass Flüchtlinge nicht krimineller seien als die einheimische Bevölkerung. Der RWI-Forscher Fabian Dehos hat für seine Studie die Daten der Zuwanderung von 2010 bis 2015, des Ausländerzentralregisters und der Polizeilichen Kriminalstatistik je nach Landkreis ausgewertet.
Bei Asylbewerbern ist eine starke Häufung von "migrationsspezifischen" Straftaten festzustellen, also etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz. Rechnet man diese heraus, findet Dehos keine Erhöhung der Kriminalitätsrate. Ein anderes Bild gibt es aber bei den anerkannten Flüchtlingen. "Durch ihre Zuwanderung steigt die Kriminalität in einem Kreis", resümiert Dehos. Es gehe dabei vor allem um Eigentumsdelikte wie Diebstahl und Betrug, nicht um Gewaltverbrechen.
Eine mögliche Erklärung des unterschiedlichen Verhaltens könnte mit der regionalen Verteilung von Asylbewerbern und Flüchtlingen liegen. Asylbewerber müssen sich an eine Wohnsitzauflage halten, dürfen also nicht selbst entscheiden, in welchen Kreis sie ziehen. Anders die anerkannten Flüchtlinge, für die es keine solche Auflage gibt. "Der Anstieg der Kriminalität ist durch diejenigen Flüchtlinge getrieben, die in Regionen ziehen, in denen schon viele Migranten gleicher Nationalität leben", sagt Dehos. Er meint Großstädte wie Berlin, München, Hamburg und Köln oder das Ruhrgebiet und die Rhein-Main-Region. Dort bilden sich Migrantenmilieus mit höherer Kriminalität. Außerdem verweist Dehos auf das geringe Bildungsniveau der Zuwanderer, die dadurch wenig Chancen auf wirtschaftliche Integration haben.
Während die RWI-Studie nur Daten bis 2015 auswertet, zeigen die neueren Polizeilichen Kriminalstatistiken eine starke Zunahme von Gewalt- und Sexualtaten. 2016 gab es 10 Prozent mehr schwere Körperverletzungen als im Vorjahr, insgesamt 140 000. Die Zahl der Fälle von Mord und Totschlag nahm um 14 Prozent zu, die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen um 13 Prozent. Unter den insgesamt 2,4 Millionen Tatverdächtigen - bei 6,4 Millionen Straftaten - stieg der Anteil von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf mehr als 40 Prozent. Vor kurzem hat eine Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer mit Fokus auf Niedersachsen ergeben, dass besonders junge Asylbewerber aus Nordafrika ohne Bleibeperspektive zu kriminellen Taten neigen.

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