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Regionale Unterschiede bei Arztbesuchen: Es liegt an den Patienten

Pressemitteilung vom 04.02.2020

Deutsche gehen häufiger zum Arzt als die Bürger anderer Industriestaaten. Laut OECD kam jeder Bundesbürger im letzten Jahr durchschnittlich auf zehn Arztbesuche, in Frankreich sind es nur sechs und in Schweden sogar nur drei. Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es große Unterschiede: So nehmen Hamburger 30% mehr ambulante Leistungen in Anspruch als Brandenburger. Oft wird dieses Verhalten durch eine Über- oder Unterversorgung in den verschiedenen Regionen begründet. Eine aktuelle Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Tilburg zeigt jedoch, dass die Unterschiede hauptsächlich auf Eigenschaften der Patienten zurückzuführen sind – und nicht auf die ärztliche Versorgung.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Wie intensiv ambulante Leistungen genutzt werden, unterscheidet sich stark zwischen einzelnen Regionen in Deutschland. Am stärksten nehmen Menschen in Hamburg, Berlin und dem Saarland ärztliche Leistungen in Anspruch, am wenigsten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
  • Die RWI-Studie zeigt, dass dies zu über 90 Prozent auf Unterschiede zwischen den Patienten zurückzuführen ist. Ein Hauptgrund für das verschiedene Gesundheitsverhalten sind demnach die jeweiligen Einstellungen und der Gesundheitszustand der Patienten. Die Zahl und die Ausstattung der Arztpraxen in der Umgebung spielen dagegen nur eine geringe Rolle.

  • Für die Studie werteten die Autoren die ambulanten Leistungspunkte von mehr als sechs Millionen Krankenversicherten aus. Dabei untersuchten sie das Verhalten von Menschen, die innerhalb des Untersuchungszeitraums von einer Region in eine andere umzogen: Im Durchschnitt nehmen Patienten nach einem Umzug ebenso viele ärztliche Leistungen in Anspruch wie vorher, auch wenn sich die ambulanten Versorgungsstrukturen zwischen den Wohnorten unterscheiden.

  • Frühere Studien zeigen, dass sich die ärztliche Versorgung beispielsweise in den USA und den Niederlanden stärker auf das Patientenverhalten auswirkt als in Deutschland. Das könnte daran liegen, dass die Versorgung hierzulande stärker reguliert und auch in abgelegenen Regionen vergleichsweise gut ist. Zugleich ist das Patientenverhalten kaum beschränkt – dafür sorgen etwa die freie Arztwahl und die geringen Zuzahlungen.

  • Bei Fachärzten spielt die Versorgung eine größere Rolle als bei Allgemeinmedizinern. Bei ihnen sind die regionalen Unterschiede von ambulanten Behandlungen zu rund 32 Prozent auf die Versorgung zurückzuführen, bei Allgemeinmedizinern nur zu 7 Prozent.

 „Unsere Studie macht deutlich, dass ein höheres Angebot an Ärzten nicht automatisch dazu führt, dass Patienten öfter zum Arzt gehen“, sagt RWI-Gesundheitsökonom Ansgar Wübker, einer der Autoren der Studie. „Stattdessen scheinen kulturelle Unterschiede und Einstellungen eine große Rolle zu spielen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Menschen in Ostdeutschland durchschnittlich deutlich weniger ärztlich behandelt werden als im Westen.“ Allerdings könnte die ärztliche Versorgung in Zukunft eine größere Rolle spielen, ergänzt Koautor Martin Salm von der Universität Tilburg: „Angesichts der demografischen Entwicklung in ländlichen Regionen dürfte die Frage, ob man zum Arzt geht oder nicht, künftig stärker von der Versorgung abhängen als bisher.“

Die Analyse basiert auf Daten von 6,3 Millionen Versicherten einer großen deutschen Krankenversicherungsgruppe. Beobachtet wurden Patienten ab 18 Jahren im Zeitraum von 2006 bis 2012. Darunter befanden sich rund 203.000 Patienten, die im beobachteten Zeitraum umgezogen sind.

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Ihre Ansprechpartner/in dazu:

Prof. Dr. Ansgar Wübker, Tel.: (0201) 81 49-242
Leonard Goebel (Kommunikation), Tel.: (0201) 81 49-210

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Dieser Pressemitteilung liegt die Studie „Sources of regional variation in healthcare utilization in Germany“ von Martin Salm und Ansgar Wübker zugrunde. Sie ist in der Januar-Ausgabe des Journal of Health Economics erschienen.

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