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Junge ziehen in die Städte, Alte aufs Land – Binnenmigration verschärft demografische Probleme

Pressemitteilung vom 24.10.2019

Vor allem junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren verlagern ihren Wohnort – und zwar ganz überwiegend in die Städte. Ältere Personen wechseln dagegen deutlich seltener die Region. Sie zieht es tendenziell in ländliche Räume. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Analyse des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Ruhr Universität Bochum. Demnach verschärft die Binnenmigration die demografischen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Auch die Faktoren, welche die Ortswahl beeinflussen, unterscheiden sich zwischen den Altersgruppen: Das regionale Lohnniveau und andere Wirtschaftsindikatoren spielen vor allem für junge Menschen eine große Rolle.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Zwischen 2008 und 2014 sind insgesamt knapp 15,9 Millionen Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit aus einer Stadt oder einem Landkreis in eine andere Region umgezogen.
  • 43 Prozent der einheimischen Binnenmigranten sind zwischen 18 und 29 Jahren alt. Zum Vergleich: Diese Altersgruppe macht nur 14 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. 
  • Von den insgesamt 6,9 Millionen Binnenmigranten zwischen 18 und 29 Jahren stammen 25 Prozent aus ländlichen Gebieten und 75 Prozent aus Städten. Nur 19 Prozent von ihnen ziehen in einen Landkreis um, während sich 81 Prozent für eine Stadt entscheiden. Dies führt zu einer Wanderungslücke für die ländlichen Gebiete von fast 460.000 Personen in dieser Altersgruppe.
  • Ältere Altersgruppen wechseln deutlich seltener die Region, tendenziell zieht es sie jedoch eher in ländliche Kreise. Sie können die ländliche Wanderungslücke der 18- bis 29-Jährigen aber nicht ausgleichen.
  • Insgesamt verschärft die Binnenmigration die bereits bestehenden demografischen Probleme in ländlichen Räumen. Das gilt insbesondere für viele Landkreise in Ostdeutschland.
  • In einer deskriptiven Analyse vergleicht die RWI-Studie zudem den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Migrationsentscheidung. Demnach hängt sie bei Personen unter 50 Jahren insbesondere von den wirtschaftlichen Möglichkeiten ab. So geht ein höheres Lohnniveau in einer Region mit einer geringeren Abwanderung und einer höheren Zuwanderung einher.
  • Wohnkosten scheinen dagegen eher eine untergeordnete Rolle zu spielen: Regionen mit hohen Mietpreisen verzeichnen – unter ansonsten gleichen Bedingungen – eine etwas geringere Zuwanderung aller Altersgruppen. Eine verstärkte Abwanderung aus teuren Regionen findet nur in der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen statt.

 „Die Untersuchung zeigt die große Anziehungskraft der Städte auf junge Menschen. Sie werden unter anderem durch das höhere Lohnniveau gelockt, während die höheren Wohnkosten im Vergleich eine eher untergeordnete Rolle spielen“, sagt RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer, einer der Autoren der Studie. „Ältere Personen ziehen zwar tendenziell wieder raus aus den Städten, allerdings in deutlich geringerer Zahl. Insgesamt verschärft die Binnenmigration die demografischen Unterschiede zwischen Stadt und Land“, so Bauer.

Die Analyse basiert auf kleinräumigen administrativen Daten, die jede Migrationsbewegung über die Bezirksgrenzen hinweg zwischen 2008 und 2014 enthalten, aufgeschlüsselt nach verschiedenen Altersgruppen. Die Informationen zu Mietpreisen stammen aus dem RWI-GEO-REDX Datensatz des RWI-Forschungsdatenzentrums FDZ Ruhr.

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Ihre Ansprechpartner/in dazu:
Prof. Dr. Thomas K. Bauer, Tel.: 0201 8149-264
Leonard Goebel (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-210

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Dieser Pressemitteilung liegt das Ruhr Economic Paper #823 „Berlin Calling – Internal Migration in Germany“ zugrunde, in dem auch zahlreiche Grafiken zur Binnenmigration zu finden sind. Es kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden. Daten zum Nachbauen der Grafiken sind auf Anfrage erhältlich.

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