Presse

Statement von Prof. Dr. Christoph M. Schmidt zur Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises

Pressemitteilung vom 14.10.2019

„Esther Duflo war bereits im Jahr 2018 für mich die Favoritin für den Nobelpreis. Sie und die beiden mit ihr zusammen ausgezeichneten Kollegen Abhijit Banerjee und Michael Kremer erforschen sehr erfolgreich das wichtige Thema Armutsbekämpfung. Dabei haben sie insbesondere die Methode der randomisierten Feldexperimente zur Evaluierung politischer Maßnahmen auf bemerkenswerte Weise weiterentwickelt und in die öffentliche Debatte eingebracht.

In randomisierten Experimenten teilt man die Menschen nach dem Zufallsprinzip in mehrere Gruppen ein. Jede Gruppe erhält etwas andere Bedingungen, lebt aber ansonsten weiter ihr normales Leben. Nach einiger Zeit kann man anhand des Gruppenvergleichs dann sehen, welche Politik welche Folgen hat. Dies ist eine Methode, die wir auch am RWI seit Jahren erfolgreich anwenden – insbesondere in unserer Forschungsgruppe „Klimawandel in Entwicklungsländern“.

Ergebnisse aus randomisierten Experimenten sind sehr gut darstellbar und informieren die politische Debatte. Damit leisten Forscherinnen und Forscher wie Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer einen wichtigen Beitrag zu evidenzbasierter Politik. Während Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, die am Reißbrett geplant werden, häufig nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, lassen sich so bessere Hinweise darauf finden, was in der Praxis wirklich funktioniert. Dabei sollte ein hohes Augenmerk darauf liegen, welche dieser Erkenntnisse gut auf andere Kontexte als das Experiment selbst übertragen werden können.“

Prof. Dr. Christoph M. Schmidt ist Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Professor an der Ruhr-Universität Bochum

Hoch