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RWI: Deutsche Wirtschaft im Abschwung

Pressemitteilung vom 11.09.2019

Das RWI senkt seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 von 0,8 auf 0,4 Prozent. Für 2020 erwartet es statt 1,4 jetzt 0,9 Prozent, für 2021 einen Anstieg auf 1,3 Prozent. Das Risiko einer Rezession ist zwar gestiegen, Bautätigkeit und privater Konsum zeigen sich aber robust. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem und im nächsten Jahr bei 5 Prozent liegen. Dabei wird eine Inflationsrate von 1,4 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Die öffentlichen Haushalte werden 2019 und 2020 voraussichtlich Überschüsse von knapp 52 bzw. knapp 40 Milliarden Euro erzielen. Die Prognose geht davon aus, dass Großbritannien geregelt die EU verlässt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das RWI senkt seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für 2019 auf 0,4 Prozent, nachdem es im Juni noch 0,8 Prozent erwartet hatte. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Schwächephase anhält und die Konjunktur in Deutschland in einen Abschwung übergeht. Insbesondere hält der Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe und hier insbesondere in der Automobilindustrie an. Damit steigt das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerät. Die Bautätigkeit zeigt allerdings kaum Anzeichen von Schwäche und auch der private Konsum bleibt aufwärtsgerichtet. Für 2020 erwartet das RWI statt 1,4 jetzt 0,9 Prozent Wirtschaftswachstum, für 2021 einen Anstieg auf 1,3 Prozent.
  • Am Arbeitsmarkt wird sich der Beschäftigungsaufbau abschwächen. Zum einen lässt die Nachfrage nach Arbeitskräften nach, insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe. Zum anderen haben Unternehmen in einigen Bereichen Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem und im kommenden Jahr bei 5 Prozent liegen und im Jahr 2021 weiter auf 4,9 Prozent sinken.
  • Die Inflation dürfte im Prognosezeitraum bis 2021 unter zwei Prozent bleiben. Für das Jahr 2019 werden 1,4 Prozent erwartet, für die folgenden Jahre 1,3 und 1,5 Prozent. Auch die Kerninflation (u.a. ohne Energiepreise) wird aufgrund der sich fortsetzenden konjunkturellen Schwäche niedrig bleiben.
  • Der staatliche Budgetüberschuss dürfte in den Jahren 2019 bis 2021 kontinuierlich zurückgehen. Die Maastricht-Schuldenquote wird aller Voraussicht nach bereits dieses Jahr unter die Grenze von 60 Prozent des BIP fallen und 2021 rund 55 Prozent erreichen. Gleichwohl werden die Finanzierungssalden mit knapp 52 Milliarden Euro in diesem Jahr, knapp 40 Milliarden Euro im nächsten Jahr und gut 23 Milliarden Euro im Jahr 2021 immer noch hoch ausfallen. Gründe für den Rückgang des Überschusses sind langsamer steigende Einnahmen aus Einkommensteuer und Sozialbeiträgen sowie gestiegene Staatsausgaben aufgrund verschiedener Maßnahmen der Großen Koalition.
  • Die Weltwirtschaft befindet sich ebenfalls im Abschwung, die konjunkturelle Schwäche betrifft auch hier vor allem das Verarbeitende Gewerbe, während die Dienstleistungsbereiche noch recht robust expandieren. Die weltwirtschaftliche Expansion dürfte sich im kommenden Jahr weiter abschwächen. Nach einem Zuwachs um 2,8 Prozent in diesem Jahr prognostiziert das RWI ein etwas geringeres Wachstum von 2,6 Prozent im kommenden Jahr. Im Jahr 2021 dürfte die weltweite Produktion wieder um 2,8 Prozent zunehmen.

Zu den speziellen Risiken der Prognose sagt der stellvertretende RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Unsere Prognose beruht auf der Annahme, dass Großbritannien mit einem Austrittsvertrag aus der Europäischen Union ausscheidet. Ein ,harter Brexit‘ Ende Oktober hätte wohl deutlich gravierendere gesamtwirtschaftliche Effekte.“ Eine weitere Annahme sei, dass der Rückgang der Produktion im Wesentlichen auf das Verarbeitende Gewerbe begrenzt bleibt. Würde sich die Schwäche beispielsweise auf den Dienstleistungssektor übertragen, würde auch das die negativen gesamtwirtschaftlichen Effekte verstärken.

 (veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 3/2019)

Ihre Ansprechpartner/in dazu:
Prof. Dr. Torsten Schmidt          Tel. (0201) 81 49-287,
Sabine Weiler (Pressestelle)     Tel. (0201) 81 49-213,

Weitere Informationen zur RWI-Konjunkturberichterstattung: www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/wachstum-konjunktur-oeffentliche-finanzen/projekte/konjunkturdiagnose-und-prognose/.

Eckwerte zur RWI-Konjunkturprognose vom 11. September 2019

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