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Deutsche Stahlerzeugung 2019 weiter rückläufig

Pressemitteilung vom 12.02.2019

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet, dass die Inlandsnachfrage nach Stahl in diesem Jahr um 1,8 Prozent zurückgehen wird. Entsprechend dürften auch Roh- und Walzstahlerzeugung im zweiten Jahr in Folge sinken. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlwerke wird voraussichtlich weiter leicht abnehmen, mit gut 84 Prozent aber im internationalen Vergleich hoch bleiben. Während die Beschäftigung in der deutschen Stahlindustrie im vergangenen Jahr trotz ungünstiger Rahmenbedingungen sogar zunahm, dürfte sie in diesem Jahr um 1,8 Prozent zurückgehen. Die weltweite Rohstahlerzeugung wird in diesem Jahr voraussichtlich nur noch um 1,8 Prozent steigen, womit das Problem der Überkapazitäten ungelöst bleibt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das RWI erwartet in seinem aktuellen Stahlbericht, dass die weltweite Rohstahlerzeugung im Jahr nur noch um rund 1,8 Prozent zunehmen wird. Im vergangenen Jahr war sie noch um 4,7 Prozent gewachsen. Die Kapazitätsauslastung wird in diesem Jahr voraussichtlich trotzdem leicht ansteigen, weil die Produktionskapazitäten kaum ausgeweitet werden. Sie dürfte aber mit etwas weniger als 75 Prozent im längerfristigen Vergleich immer noch recht niedrig bleiben. Es bestehen weiterhin Überkapazitäten, in die die Erzeugung aller Voraussicht nach nicht „hineinwachsen“ kann.
  • Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die deutsche Stahlindustrie sind derzeit ungünstig. Die Produktion der wichtigsten Stahlverwender nimmt nur verhalten zu. Dämpfend wirken dabei die aktuellen Probleme der Automobilindustrie. Zugleich ist das Auslandsgeschäft durch die Zunahme protektionistischer Maßnahmen im Stahlbereich belastet. Daher dürfte in diesem Jahr der Stahlbedarf um 0,6 Prozent sinken, die am Markt realisierte Nachfrage nach Stahl aufgrund voller Lager sogar um 1,8 Prozent zurückgehen.
  • Die deutsche Walzstahlerzeugung dürfte 2019 um 1,4 Prozent abnehmen, nachdem sie bereits 2018 um 2,6 Prozent gesunken war. Die Rohstahlerzeugung dürfte um 1,7 Prozent zurückgehen, sie war 2018 ebenfalls bereits um 2 Prozent zurückgegangen. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlwerke dürfte weiter leicht sinken, mit gut 84 Prozent aber im internationalen Vergleich hoch bleiben.
  • Die rückläufige Rohstahl- und Walzstahlerzeugung hat bisher nicht auf die Beschäftigung durchgeschlagen, sie nahm im vergangenen Jahr sogar zu. Für 2019 zeichnet sich aber ein Beschäftigungsrückgang von 1,8 Prozent ab.
  • Die Prognose des RWI ist mit einem Abwärtsrisiko behaftet. Eine Simulationsrechnung mit drei Szenarien (höhere außenwirtschaftliche Risiken, mehr handelsbeschränkende Maßnahmen, schwächerer Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen) zeigt, dass die Konsequenzen einer schwächeren gesamtwirtschaftlichen Dynamik für die Stahlindustrie zwar spürbar, aber überschaubar wären, da bei schwächerer Nachfrage auch weniger importiert würde. Ein Abschwung der Weltwirtschaft hätte hingegen deutlich gravierendere Auswirkungen, weil die zyklischen Ausschläge in der Stahlerzeugung erfahrungsgemäß ausgeprägter sind als in der gesamtwirtschaftlichen Produktion.

Zur Situation der deutschen Stahlindustrie sagt RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn: „Trotz schwächelnder Stahlkonjunktur hat sich die deutsche Stahlindustrie bisher gut behauptet. Die sinkende Kapazitätsauslastung dürfte in diesem Jahr aber auf die Beschäftigung durchschlagen.“

Ihre Ansprechpartner dazu:     

Prof. Dr. Roland Döhrn             Tel. (0201) 81 49-262
Sabine Weiler (Pressestelle)              Tel. (0201) 81 49-213

Dieser Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI (Heft 4/2018) zugrunde. Er kann unter http://www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/ als pdf-Datei heruntergeladen werden.

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