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Automobilindustrie dämpft deutsche Konjunktur

Pressemitteilung vom 18.12.2018

Das RWI senkt seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 von 1,7 auf 1,4 Prozent, für 2020  von 1,9 auf 1,6 Prozent. Von den Exporten sind weiterhin keine Impulse zu erwarten und die binnenwirtschaftliche Dynamik schwächt sich ab. Der Beschäftigungsaufbau dürfte sich verlangsamen, die Arbeitslosenquote aber weiter auf 4,8 Prozent im kommenden Jahr und 4,5 Prozent im Jahr 2020 zurückgehen. Die Inflationsrate dürfte in den nächsten beiden Jahren jeweils 1,8 Prozent betragen. Die öffentlichen Haushalte werden 2019 und 2020 voraussichtlich Überschüsse von 37 bzw. 30 Milliarden Euro erzielen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das RWI erwartet in seiner aktuellen Konjunkturprognose für 2019 ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent und damit 0,3 Prozentpunkte weniger als in seiner Prognose vom September dieses Jahres. Aufgrund von Problemen in der Automobilindustrie entwickelte sich die gesamtwirtschaftliche Dynamik im zweiten Halbjahr 2018 ausgesprochen schwach. Dieser dämpfende Einfluss auf die Produktion wird im Jahr 2019 allmählich schwinden, die expansive Finanzpolitik Impulse geben. Von den Exporten sind diese hingegen weiterhin nicht zu erwarten. Für 2020 erwartet das RWI statt 1,9 jetzt 1,6 Prozent, wovon allerdings 0,4 Prozentpunkte auf einen Arbeitstageeffekt zurückzuführen sind.
  • Am Arbeitsmarkt dürfte sich der Beschäftigungsaufbau angesichts des nachlassenden Expansionstempos, aber auch wegen Engpässen beim Arbeitsangebot verlangsamen. Die Arbeitslosenquote dürfte für 2019 und 2020 bei 4,8 bzw. 4,5 Prozent liegen. Derzeit fällt auf, dass insbesondere die Leiharbeit zurückgefahren wird, was auf eine Zurückhaltung der Unternehmen bei der Besetzung von Stellen hinweist.
  • Die Inflation dürfte 2019 und 2020 mit 1,8 Prozent etwas unter den zuletzt beobachteten Werten liegen. Ausschlaggebend hierfür ist, dass der Rohölpreis seit Oktober wieder gefallen ist, und sich die Lage bei den Transportkapazitäten, die aufgrund des durch die Trockenheit bedingten Niedrigwassers knapp waren, wieder entspannt. Die Kerninflation, die u.a. Preise des Energiesektors nicht berücksichtigt, änderte sich zuletzt kaum. Sie dürfte sich im Prognosezeitraum leicht beschleunigen.
  • Der staatliche Budgetüberschuss dürfte im Prognosezeitraum aufgrund der expansiven Ausrichtung der Finanzpolitik sinken, nachdem er in diesem Jahr mit etwa 56 Milliarden Euro oder 1,6 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich ein Rekordniveau erreichen wird. Für die Jahre 2019 und 2020 zeichnet sich ein Rückgang des Überschusses auf 37 bzw. 30 Milliarden Euro ab. Dazu tragen auf der Einnahmenseite deutliche Steuersenkungen bei. So werden der Einkommensteuertarif und die Kinderfreibeträge in beiden Jahren an die Steigerung der Lebenshaltungskosten angepasst. Auf der Ausgabenseite schlagen höhere Transfers zu Buche.

Zur Senkung der inländischen RWI-Konjunkturprognose um 0,3 Prozentpunkte für das Jahr 2019 sagt RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn: „Ausschlaggebend für unsere Revision ist, dass die Probleme in der Automobilindustrie sich als hartnäckiger erweisen als zunächst erwartet und dass sich das außenwirtschaftliche Umfeld ungünstiger darstellt.“ Zwar dürften die Probleme in der Automobilindustrie bei der Einführung des Abgas- und Verbrauchstest WLTP in den kommenden Monaten auslaufen und zu einem Anstieg der Pkw-Produktion führen. Es gibt aber auch Zeichen, dass sich der Produktionstrend generell verlangsamt hat, worin sich der Dieselskandal und der sich abzeichnende Übergang zur Elektromobilität widerspiegeln könnten.

(veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 4/2018)

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