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RWI: Inlandsnachfrage trägt deutsche Konjunktur, Weltwirtschaft birgt Risiken

Pressemitteilung vom 05.09.2018

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bleibt bei seiner Prognose von 1,8 Prozent für das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2018. Für 2019 erwartet es statt 1,5 jetzt 1,7 Prozent, für 2020 einen Anstieg auf 1,9 Prozent. Das Wachstum wird hauptsächlich von Konsum und Investitionen getragen, der Außenhandel wächst aufgrund der Handelskonflikte nur langsam. Die Arbeitslosenquote dürfte weiter von 5,2 Prozent in diesem Jahr auf 4,8 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Bis zum Jahresende 2020 könnte sich die Zahl der Marke von zwei Millionen nähern. Dabei wird eine Inflationsrate von 1,9 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Die öffentlichen Haushalte werden 2018 und 2019 voraussichtlich Überschüsse von 57 bzw. 46 Milliarden Euro erzielen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das RWI erwartet in seiner Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums wie bereits im Juni dieses Jahres für 2018 ein Wachstum von 1,8 Prozent. Für 2019 erwartet es statt 1,5 jetzt 1,7 Prozent, für 2020 einen leichten Anstieg auf 1,9 Prozent. Getragen wird das Wachstum hauptsächlich von der Inlandsnachfrage. Für die Exporte dagegen zeichnet sich, nicht zuletzt aufgrund der verbreiteten protektionistischen Tendenzen, eine weiterhin nur langsame Zunahme ab.
  • Am Arbeitsmarkt wird sich der Beschäftigungsaufbau mit geringerem Tempo fortsetzen. Die Arbeitslosenquote dürfte weiter von 5,2 Prozent in diesem Jahr auf 4,8 Prozent im kommenden Jahr sinken. Treibende Kraft hierfür bleibt wohl der Dienstleistungssektor. Da das Potenzial an Erwerbstätigen langsamer zunimmt, haben sich zuletzt die Chancen von Arbeitslosen auf eine neue Beschäftigung verbessert. Das RWI erwartet, dass diese Entwicklung anhält und die Zahl der registrierten Arbeitslosen sich bis zum Jahr 2020 der Marke von zwei Millionen nähert.
  • Die Inflation dürfte im Prognosezeitraum bis 2020 knapp unter zwei Prozent bleiben. Für das Jahr 2018 werden 1,9 Prozent erwartet, für die folgenden Jahre 1,9 und 1,7 Prozent. Zuletzt war die Teuerung stark durch die Energiepreise getrieben, deren Einfluss im Prognosezeitraum wohl nachlassen wird. Wegen der hohen Kapazitätsauslastung dürfte die Kerninflation hingegen anziehen.
  • Der staatliche Budgetüberschuss dürfte in diesem Jahr auf 58 Milliarden Euro steigen. Grund dafür ist, dass die Konjunktur von der Inlandsnachfrage getrieben ist und daher für besonders hohe Einnahmen durch Abgaben sorgt. Für das kommende Jahr zeichnet sich eine deutlich expansiver ausgerichtete Finanzpolitik mit Steuersenkungen und höheren Transferzahlungen ab. Das Budgetsaldo dürfte daher zurückgehen auf 46 Milliarden Euro im Jahr 2019 und 47 Milliarden Euro 2020 – im längerfristigen Vergleich dennoch hohe Werte. Der Schuldenstand des Staates könnte so bereits 2019 unter die Maastricht-Grenzen von 60 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sinken.

Zu den Auswirkungen internationaler Entwicklungen auf die deutsche Konjunktur sagt RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn: „Trotz der derzeit günstigen Lage bestehen erhebliche Abwärtsrisiken. Eine Verschärfung der internationalen Handelskonflikte, ein „harter“ Brexit oder eine Ansteckung anderer Schwellenländer durch die aktuellen Probleme der Türkei hätte auf eine exportorientierte Wirtschaft wie die deutsche beträchtliche negative Auswirkungen.“ Bislang zeigt sich die Weltwirtschaft trotz der zunehmenden Handelskonflikte und geopolitischen Spannungen zwar bemerkenswert robust. Im Prognosezeitraum dürfte das weltweite Wirtschaftswachstum dann aber nachlassen und wohl von 3,4 Prozent im Jahr 2018 auf 3,1 und 2,9 Prozent in den kommenden beiden Jahren zurückgehen.

(veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 3/2018)

Ihre Ansprechpartner dazu:    

Prof. Dr. Roland Döhrn, Tel. (0201) 81 49-262
Jörg Schäfer (Pressestelle), Tel. (0201) 81 49-244

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