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RWI: Deutsches Handwerk wächst schwächer als die Gesamtwirtschaft

Pressemitteilung vom 21.07.2017

Das deutsche Handwerk konnte seine Umsätze im vergangenen Jahr um 3 Prozent steigern. In diesem Jahr wird es voraussichtlich zwischen 2 und 2,5 Prozent wachsen. Trotzdem hinkt es aber weiterhin der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hinterher. Zu diesen Ergebnissen kommt eine RWI-Auswertung. Die größten Umsatzzuwächse konnten demnach im vergangenen Jahr das Kraftfahrzeuggewerbe und die Zimmerer mit einem Plus von jeweils 5,5 Prozent erzielen. Die Zahl der Beschäftigten im Handwerk blieb nahezu unverändert und dürfte auch in diesem Jahr stabil bleiben.

Das deutsche Handwerk konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 3 Prozent steigern und lag damit über dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre. Die größten Zuwächse verzeichneten das Kraftfahrzeuggewerbe sowie die Zimmerer mit einem Plus von jeweils 5,5 Prozent. Auch die Bauhandwerke entwickelten sich gut, Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe erzielten Umsatzsteigerungen von 2,1 Prozent und 2,9 Prozent. Relativ gering fielen dagegen die Zuwächse in den übrigen Handwerksgruppen aus. Auch die Beschäftigungsbilanz hat sich kaum verbessert, die Zahl der Beschäftigten nahm nur um 0,1 Prozent zu. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Produktivität gesteigert werden konnte. Allerdings berichtet das Handwerk auch über einen Mangel an geeigneten Fachkräften, der den Beschäftigungsaufbau behindert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Auswertung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Sie zeigt, dass das deutsche Handwerk im vergangenen Jahr offenbar von den konjunkturellen Impulsen der Inlandsnachfrage profitieren konnte, sich aber trotzdem schwächer entwickelte als die Gesamtwirtschaft.

Für das Jahr 2017 erwartet das RWI ein nominales Umsatzplus des Handwerks um 2 bis 2,5 Prozent. Unterstellt man eine Preissteigerung von 1,8 Prozent, läge der reale Zuwachs damit zwischen 0,2 und 0,7 Prozent. Für eine weiterhin gute Konjunktur im Handwerk sprechen auch die ersten Quartalsergebnisse der Handwerksberichterstattung sowie die Umfragen der Handwerkskammern und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Unternehmen berichten weiterhin von guter Auftragslage und längeren Auftragsreichweiten. Doch auch wenn das Handwerk in diesem Jahr wohl mit Raten expandieren wird, die in etwa dem Durchschnitt der vergangenen 3 Jahre entsprechen, verliert es gegenüber der übrigen Wirtschaft weiter an Boden. Denn der Wettbewerb durch Industrie, Handel und zunehmend auch ausländische Anbieter bleibt intensiv. Die Beschäftigung dürfte unter diesen Rahmenbedingungen wohl auch in diesem Jahr nicht weiter ausgeweitet werden.

Bauhauptgewerbe stieß an Kapazitätsgrenzen

Trotz der insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung gab es auch im vergangenen Jahr wieder große Unterschiede zwischen den einzelnen Handwerksgruppen. So konnte das Bauhauptgewerbe nur ein unterdurchschnittliches Umsatzplus von 2,1 Prozent erzielen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Bauindustrie als Wettbewerber des Handwerks Marktanteile gewinnen konnte. Zudem deuten lange Wartezeiten darauf hin, dass die Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels an Kapazitätsgrenzen gestoßen sind. Eine Ausnahme bildete das Zimmererhandwerk mit einem Umsatzplus von 5,5 Prozent.

Das Ausbaugewerbe schnitt mit einem Plus von 2,9 Prozent in den zulassungspflichtigen Gewerken (u.a. Maler und Lackierer, Klempner, Elektrotechniker, Tischler) und einem Plus von 3,2 Prozent in den zulassungsfreien Gewerken (u.a. Fliesenleger, Raumausstatter, Rollladentechniker) insgesamt besser ab als das Bauhauptgewerbe. Daran wird deutlich, wie sich das Gewicht der Bauaktivitäten vom Neubau zum Bauen im Bestand verschoben hat. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten im zulassungspflichtigen Bauhandwerk insgesamt nur um 0,2 Prozent, in einigen Gewerken wie Dachdecker (-0,6 Prozent), Glaser (-0,5 Prozent) sowie Stuckateure (-0,3 Prozent) sank sie.

Uneinheitlich entwickelten sich auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf. Insgesamt erhöhte sich ihr Umsatz im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent im zulassungspflichtigen Teil. Am günstigsten entwickelten sich die Feinwerkmechaniker (+1,8 Prozent), am ungünstigsten die Landmaschinenmechaniker (-3,2 Prozent). Deutlich besser schnitten in diesem Bereich die zulassungsfreien Gewerke mit einem Umsatzplus von insgesamt 3,9 Prozent ab. Besonders gut war die Entwicklung im Gebäudereinigerhandwerk (+5,2 Prozent), am schlechtesten bei den Druckern (-0,8 Prozent).

Kraftfahrzeuggewerbe verdient vor allem im An- und Verkauf

Die Handwerke für den privaten Bedarf – Kraftfahrzeughandwerk, Lebensmittelhandwerk, das Gesundheitsgewerbe und Handwerke für den sonstigen privaten Bedarf – profitierten vom kräftigen Anstieg der Konsumausgaben. Das Kraftfahrzeuggewerbe legte um insgesamt 5,5 Prozent zu. Der Umsatz wurde im Jahr 2016 wesentlich durch den Handel getrieben. Es wurden 4,5 Prozent mehr fabrikneue Fahrzeuge zugelassen als 2015. Auch der An- und Verkauf von Gebrauchtwagen entwickelte sich dynamisch. Das Werkstattgeschäft verlor weiter an Bedeutung, wenngleich der Trend des „Werkstattsterbens“ gestoppt scheint.

Nicht so positiv entwickelte sich der Umsatz im aus Bäckern, Konditoren und Fleischern bestehenden Lebensmittelhandwerk, er stieg nur um 1,3 Prozent. Ursächlich hierfür ist vor allem das schwache Umsatzplus der Fleischer (+0,5 Prozent), während Bäcker und Konditoren um jeweils 2,1 Prozent zulegen konnten. Insgesamt verringerte das Lebensmittelhandwerk die Zahl seiner Beschäftigten um weitere 0,6 Prozent. Größter Konkurrent des Lebensmittelhandwerks bleibt der Lebensmittelhandel in Form von Discountern und Supermärkten.

Wachstum des Gesundheitsgewerbes hat nachgelassen

Die Betriebe des Gesundheitshandwerks konnten zwar im vergangenen Jahr beim Umsatz um insgesamt 2,7 Prozent zulegen, blieben aber hinter den Zuwächsen der vergangenen 2 Jahre zurück. Am erfolgreichsten waren Orthopädietechniker (+4,4 Prozent) und Augenoptiker (+2,4 Prozent). Die Beschäftigung stieg insgesamt um 1 Prozent. Bei den sonstigen Handwerken für den privaten Bedarf erreichten Friseure ein Plus von 1,4 Prozent, gleichzeitig ging die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich um 1,4 Prozent zurück.

Von den zulassungsfreien Handwerken, die Leistungen für den privaten Bedarf anbieten, steigerten Gold- und Silberschmiede (+4,9 Prozent) und Textilreiniger (+4,6 Prozent) ihre Umsätze am stärksten, Schlusslichter waren Müller (-4,8 Prozent) und Uhrmacher (-3 Prozent).

Grundlage der RWI-Analyse sind Daten aus Totalauswertungen des Unternehmensregisters (sog. „Handwerkszählung“), sowie die amtliche vierteljährliche Handwerksberichterstattung des Statistischen Bundesamts.

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Ihre Ansprechpartner dazu:
Wolfgang Dürig, Tel. (0201) 81 49-271
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel. (0201) 81 49-213

Dieser Pressemitteilung liegt der Beitrag „Die konjunkturelle Entwicklung im Handwerk 2016“ aus dem Konjunkturbericht des RWI (Heft 1/2017) zugrunde. Er ist hier als pdf-Datei erhältlich.

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