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RWI: EU-Energielabel sollte um Angaben zu jährlichen Betriebskosten ergänzt werden

Pressemitteilung vom 27.04.2017

Werden Käufer von Elektrogeräten über deren jährliche Betriebskosten informiert, entscheiden sie sich häufiger für energieeffiziente Geräte. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen RWI-Untersuchung. Die Wissenschaftler raten daher, die bisher auf dem EU-Energielabel enthaltenen Angaben zu Energie-Effizienzklasse und jährlichem Energieverbrauch um Angaben zu den jährlichen Betriebskosten zu ergänzen. Auf diese Weise könnten europaweit große Mengen Strom eingespart werden.

Würden auf dem EU-Energielabel an Elektrogeräten deren jährliche Betriebskosten mit angegeben, würden sich mehr Käufer für energieeffiziente Geräte entscheiden. Bei rund 15 Millionen Kühlschränken und Millionen weiterer Elektrogeräte, die jährlich verkauft werden, könnte durch eine entsprechende Anpassung des EU-Labels eine erhebliche Menge Energie eingespart werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zum Kaufverhalten bei Kühlschränken. Händler müssen das EU-Energielabel für Haushaltsgeräte ausweisen, die in der EU zum Kauf angeboten werden. Bisher sind auf dem Label unter anderem Angaben zur Energieeffizienzklasse (A+++ bis D, nach der neuen Label-Verordnung ab Mitte 2017 voraussichtlich A bis G) und zum jährlichen Energieverbrauch enthalten, aber keine Informationen zu den dadurch entstehenden jährlichen Betriebskosten.

Im Rahmen der Untersuchung hatten die Befragten die Wahl zwischen zwei Kühlschränken. Wurden die jährlichen Betriebskosten mit angegeben, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Befragten für das alternative stromsparende, aber teurere Gerät entschieden, um durchschnittlich 3 Prozentpunkte.

Käufer haben eine Zahlungsbereitschaft für Energie-Effizienzklassen

Darüber hinaus kann gezeigt werden, welchen Einfluss die Energieeffizienzklasse auf die Kaufentscheidung hat. Die Befragten konnten zwischen zwei Kühlschränken wählen, deren jährlicher Stromverbrauch sich kaum unterschied. Die Geräte fielen jedoch in unterschiedliche Energie-Effizienzklassen, weil eines knapp unterhalb, eines knapp oberhalb des Grenzwertes lag. 65 Prozent der Befragten waren bereit, für den Kühlschrank mit der besseren Energie-Effizienzklasse 30 Euro mehr zu bezahlen, obwohl dieser de facto nahezu den gleichen Stromverbrauch aufwies. Wurden hingegen die – in diesem Falle nahezu identischen – jährlichen Betriebskosten mit ausgewiesen, sank die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Befragten für den teureren Kühlschrank mit höherer Energie-Effizienzklasse, aber annähernd gleichem Stromverbrauch entscheiden, um durchschnittlich 4 Prozentpunkte. Die erhöhte Aufmerksamkeit für die Betriebskosten führte demnach dazu, dass die Energie-Effizienzklasse bei der Entscheidung weniger stark gewichtet wurde.

Für die Untersuchung wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Haushaltspanels des Marktforschungsinstituts forsa befragt. An der Befragung nahmen rund 5.000 Haushaltsvorstände teil, die in ihrem jeweiligen Haushalt die Finanzentscheidungen treffen.

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Ihre Ansprechpartner:
Dr. Mark Andor, Tel.: (0201) 8149-216
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel.: (0201) 8149-213

 

Dieser Pressemitteilung liegt das Ruhr Economic Paper #671 “Consumer Inattention, Heuristic Thinking and the Role of Energy Labels“ zugrunde. Es ist unter www.rwi-essen.de/rep als pdf-Datei erhältlich.

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