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Pflegeheime: Alterung der Gesellschaft wird zu Engpässen führen

Pressemitteilung vom 15.12.2015

Den meisten deutschen Pflegeheimen geht es momentan zwar wirtschaftlich gut, in den nächsten Jahren drohen aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft jedoch Engpässe bei stationären Pflegeplätzen und Pflegepersonal. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle „Pflegeheim Rating Report 2015“ von RWI, hcb GmbH und Philips GmbH. Er untersucht die derzeitige und zukünftige Situation des deutschen Pflegemarkts und schlägt Maßnahmen vor, mit denen den drohenden Engpässen begegnet werden könnte. Unter dem Titel „Heimplätze verzweifelt gesucht“ berichtet das „Handelsblatt“ heute über die Studie.

Die meisten deutschen Pflegeheime befinden sich in einer guten wirtschaftlichen Lage. Im Jahr 2013 befanden sich lediglich 7% im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, während 72% im „grünen Bereich“ mit geringer Insolvenzgefahr lagen. Ihre durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit (Zahlungsunfähigkeit) lag mit 0,9% deutlich niedriger als die von Krankenhäusern und Rehakliniken. Dies sind einige der Ergebnisse des aktuellen „Pflegeheim Rating Report 2015“, in dem das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), die Institute for Health Care Business GmbH (hcb) und die Philips GmbH die derzeitige und zukünftige Situation des deutschen Pflegemarkts untersucht haben. Für die aktuelle Ausgabe des alle zwei Jahre erscheinenden Reports wurden 469 Jahresabschlüsse ausgewertet, die insgesamt 2 252 Pflegeheime umfassen. Zudem berücksichtigt der Report amtliche Daten des Statistischen Bundesamts von allen rund 13 000 Pflegeheimen, 12 700 ambulanten Diensten und 2,6 Millionen Pflegebedürftigen.

Wie die Analyse zeigt, war die wirtschaftliche Situation der Heime in Sachsen-Anhalt/Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen am besten und in Schleswig-Holstein/Hamburg, Bayern, Rheinland-Pfalz/Saarland und Niedersachsen/Bremen am schlechtesten. Große Heime schnitten etwas besser ab als kleine Heime.

Trend zur Ambulantisierung und Privatisierung hat sich fortgesetzt

Einige bereits im „Pflegeheim Rating Report 2013“ beobachtete Trends haben sich fortgesetzt. So ist die Zahl der Pflegebedürftigen, die ambulant versorgt werden, im Jahr 2013 auf 24,3% gestiegen. Zudem werden immer mehr Pflegebedürftige in privaten Einrichtungen versorgt. In Pflegeheimen betrug ihr Anteil im Jahr 2013 36,4% (1999: 25,4%), bei ambulanten Diensten 49,5% (1999: 35,6%). Zudem haben Regulierungsdichte und Personalknappheit weiter zugenommen.

Der gesamte deutsche Pflegemarkt ist ein Wachstumsmarkt. Zwischen 1997 und 2013 hat sich sein Anteil am gesamten Gesundheitsmarkt von 8,6% auf 12,7% erhöht. Insgesamt gab es im Jahr 2013 2,6 Millionen Pflegebedürftige. Ihre Zahl wird bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um ein Drittel auf 3,5 Millionen ansteigen. Damit verbunden ist ein zusätzlicher Bedarf von voraussichtlich zwischen 131 000 und 321 000 stationären Pflegeplätzen. Die dafür erforderlichen Neu- und Re-Investitionen belaufen sich auf 58 bis 80 Milliarden Euro. Darüber hinaus ist auch mehr Personal erforderlich. Bis 2030 ist mit insgesamt 128 000 bis 245 000 zusätzlichen Stellen (Vollkräfte) in der stationären und mit 63 000 bis 124 000 in der ambulanten Pflege zu rechnen.

Drohender Mangel an stationären Pflegeplätzen und Fachpersonal

Inwieweit das Angebot an stationären Pflegeplätzen dem wachsenden Bedarf nachkommt, ist kritisch zu sehen. Zwar erreichte die Zahl der Pflegeheime im Jahr 2013 einen neuen Höchstwert von 13 030 und die Zahl der Plätze erhöhte sich auf 903 000. Dennoch stieg die durchschnittliche Auslastung der Heime an. Eine Analyse der Bautätigkeit zeigt, dass insbesondere in städtischen Regionen neue Pflegeplätze entstehen. Um den Bedarf an Plätzen langfristig zu decken, muss sich der Zuwachs an neuen Angeboten jedoch weiter erhöhen. Hierzu wird insbesondere mehr privates Kapital benötigt. Die Politik sollte Heimgesetze so schlank wie möglich gestalten, um entsprechende Rahmenbedingungen für private Investitionen zu schaffen.

Auch beim Pflegepersonal gibt es Handlungsbedarf. Im Jahr 2013 waren in der ambulanten und stationären Pflege 1 005 000 Personen beschäftigt, was 704 000 Vollkräften entsprach, davon 297 000 Pflegefachkräfte. Zwischen 1999 und 2013 wurden fast 239 000 Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig nimmt der Mangel an Pflegefachkräften zu: Im März 2015 lag die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bei Heimen mehr als dreimal so hoch wie im März 2007.

Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen

Um dem zu erwartenden Mangel an Pflegefachkräften zu begegnen, sollte in erster Linie die Attraktivität des Pflegeberufs erhöht werden. Ziel sollte es sein, die Verweildauer im Pflegeberuf zu verlängern, die Vollzeitquote auszuweiten und neue Auszubildende zu gewinnen. Dazu werden die Löhne für qualifiziertes Personal gegenüber Hilfskräften steigen müssen. Allerdings spielen auch weiche Faktoren eine wesentliche Rolle, z.B. weniger Bürokratie, eine gute Führungskultur, größeres gesellschaftliches Ansehen des Berufs, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bessere Karrieremöglichkeiten. Darüber hinaus könnte die Zuwanderung qualifizierter Pflegefachkräfte den Fachkräftemangel lindern. Zudem sollte auch in der Pflege über arbeitssparenden Technikeinsatz verstärkt nachgedacht werden.

Steigen die Löhne im Pflegebereich an, wird das zunächst die wirtschaftliche Lage  der Pflegeheime verschlechtern. Der Lohndruck dürfte dann über steigende Preise für Pflegeleistungen aufgefangen werden. Die dadurch bedingte höhere Belastung der Pflegebedürftigen und der Sozialhilfeträger wird allerdings Gegenreaktionen auslösen. Heime, die dem Kostendruck durch effizientere Abläufe entgegenwirken können, werden sich Wettbewerbsvorteile verschaffen. Zudem lässt sich die betriebliche Effizienz über horizontale und vertikale Integration weiter erhöhen. Hinzu kommt, dass der Pflegemarkt in Deutschland nach wie vor sehr kleinteilig ist. Die Bildung großer Verbünde zur Nutzung gemeinsamer Ressourcen ist daher noch in großem Maße möglich.

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Ihre Ansprechpartner:   

Dr. Dörte Heger (RWI), Tel.: (0201) 8149-285
Dr. Boris Augurzky (RWI), Tel.: (0201) 8149-203
Dr. Sebastian Krolop (Philips), Tel.: (0151) 29 908 758
Sabine Weiler (Pressestelle RWI), Tel.: (0201) 8149-213

Dieser Pressemitteilung liegt die Studie „Pflegeheim Rating Report 2015“ zugrunde. Das Executive Summary ist hier als pdf-Datei erhältlich. Die komplette Studie kann für 260 Euro inkl. 7% MwSt. beim Vincentz-Verlag unter www.altenheim.net in der Rubrik „Shop/Bücher und eBooks“ bestellt werden (Direktlink).

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