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RWI-Konsumindikator: Privater Konsum trotz Abschwächung weiterhin Konjunktur-Stütze

Pressemitteilung vom 24.06.2015

Das Expansionstempo des privaten Konsums in Deutschland verliert im Verlauf des Jahres weiter an Dynamik. Darauf deutet der auf Internetdaten basierende RWI-Konsumindikator hin, der im ersten Quartal 2015 von 55,6 auf 48,1 und auf 42,2 im zweiten Quartal dieses Jahres gesunken ist. Da er einen Vorlauf von einem Quartal auf den realen privaten Konsum hat, dürfte dieser im Sommerhalbjahr in etwas moderaterem Tempo ausgeweitet werden als bisher. Hierbei dürfte sich vor allem bemerkbar machen, dass die stimulierenden Wirkungen des Ölpreisrückgangs nachlassen, die die ohnehin kräftige Ausweitung des privaten Konsums zusätzlich befeuert hatten. Während die Inflationsrate aufgrund gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise zu Jahresbeginn noch negativ war, steigen die Preise mittlerweile mit zunehmenden Raten.

Für die etwas schwächere Ausweitung der Konsumausgaben spricht auch der deutliche Rückgang bei den Kfz-Neuzulassungen im April. Die Bereitschaft der Konsumenten, größere Anschaffungen zu tätigen, ist laut der Verbraucherumfrage im Auftrag der EU im Mai jedoch wieder gestiegen. In der Grundtendenz ist der private Konsum daher weiterhin aufwärtsgerichtet und bleibt Taktgeber der Konjunktur in Deutschland. Dafür sprechen auch die günstige Beschäftigungssituation und die kräftige Ausweitung der verfügbaren Einkommen. Neben einem deutlichen Anstieg der Löhne und Gehälter werden auch die monetären Sozialleistungen spürbar angehoben. Zudem dürften die Kapitaleinkommen im Jahresverlauf weiter anziehen (vgl. RWI-Konjunkturbericht Heft 2/2015).

Indikator wertet Google-Suchanfragen aus

Der RWI-Konsumindikator stützt sich auf Angaben der Internet-Suchmaschine Google. Betrachtet wird die Häufigkeit, mit der nach Begriffen gesucht wird, die 41 für den privaten Konsum relevanten Güterkategorien zugerechnet werden können. Die wöchentlich vorliegenden Daten werden zu Monatsangaben aggregiert und anschließend saisonbereinigt. Der Indikator gibt an, wie groß der prozentuale Anteil der so transformierten Einzelreihen ist, die in einem Monat gestiegen sind, so dass er Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann. Anschließend wird dieser Index zu Quartalswerten aggregiert. Da die Suchhäufigkeiten aus einer Stichprobe abgeleitet werden, ändern sich die Angaben auch für zurückliegende Quartale leicht. Damit ist insbesondere der Indikatorwert für das letzte ausgewiesene Quartal (hier das dritte Quartal) mit Unsicherheiten behaftet. Die Grundtendenz wird dadurch allerdings erfahrungsgemäß nicht beeinflusst.

Der Indikator zeichnet die Schwankungen in den Vorquartalsveränderungen des saisonbereinigten privaten Konsums durchweg gut nach. Dabei weist er gegenüber dem privaten Verbrauch einen Vorlauf von einem Quartal auf. Er eignet sich damit als Kurzfristindikator nicht nur für Prognosen des laufenden Quartals, sondern liefert auch gute Informationen für das jeweils kommende Quartal.

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Ansprechpartner:
Dr. Torsten Schmidt, Tel.: (0201) 81 49-287
Katharina Fischer (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-244

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