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Krankenhaus Rating Report 2009: Deutsche Kliniken wirtschaftlich im Auge des Orkans

Pressemitteilung vom 22.04.2009

In seiner fünften Ausgabe untersucht der Krankenhaus Rating Report neben der wirtschaftlichen Lage deutscher Krankenhäuser auch die Auswirkungen der Finanzkrise und des Konjunkturpakets II auf die Kliniken. Ihre durchschnittliche Insolvenzwahrscheinlichkeit ist in den vergangenen Jahren bis 2007 leicht zurückgegangen. 2008 dürfte sie allerdings stark gestiegen sein, im laufenden Jahr durch deutlich höhere Erlöse indessen wieder auf das niedrige Niveau absinken und sich erst 2010 aufgrund der Folgen der Finanzkrise erneut erhöhen. Die durch das Ausbleiben öffentlicher Mittel mit verursachte Investitionslücke ist seit 1991 auf 16 Milliarden Euro angewachsen. Zwischenzeitlich haben die Krankenhäuser rund 7 Milliarden Euro aus Eigenmitteln aufgebracht und so einen Teil der Lücke geschlossen. Zukünftig könnten Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Investitionspauschalen die Effizienz im Gesundheitswesen weiter steigern.

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser

Das vergangene Jahr dürfte wirtschaftlich eines der schlechtesten für Krankenhäuser gewesen sein, das laufende eines der besten werden. Während sich 2008 durch hohe Kostensteigerungen und nur moderat steigende Erlöse noch eine milliardenschwere Finanzierungslücke auftat, können Kliniken 2009 von zusätzlichen Erlössteigerungen durch das Krankenhausfinanzierungsreformgesetz (KHRG) und von Zuweisungen für Investitionen aus dem Konjunkturpaket II profitieren. Allerdings dürfte sich die Lage bereits im nächsten Jahr wieder deutlich verschlechtern, wenn die Folgen der Finanzkrise auch die Gesundheitswirtschaft erreichen. Zu diesen Ergebnissen kommt die fünfte Ausgabe des Krankenhaus Rating Reports, die das RWI, das Institute for Healthcare Business GmbH und die ADMED GmbH gemeinsam erstellt haben.

Der Studie zufolge haben die weiter gesunkenen Fördermittel nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) die kumulierte Investitionslücke deutscher Krankenhäuser seit 1991 auf mittlerweile 16 Milliarden Euro anwachsen lassen. Die Krankenhäuser füllen allerdings einen wachsenden Teil dieser Lücke mit Investitionen aus Eigenmitteln. Diese belaufen sich kumuliert auf rund 7 Milliarden Euro, so dass der tatsächliche Investitionsstau bei 9 Milliarden Euro liegen dürfte.

Anteil der Kliniken im roten Bereich ist leicht gesunken

Das Rating basiert auf einer Stichprobe von 546 Jahresabschlüssen, die zumeist aus den Jahren 2006 und 2007 stammen und insgesamt 832 Krankenhäuser umfassen. Damit hat sich die Datenbasis des Reports weiter verbreitert. Nach ihrem Risiko für eine Insolvenz wurden die Häuser analog einer Ampelsystematik in drei Kategorien (grün, gelb und rot) eingeteilt: 16% der Krankenhäuser lagen im roten Bereich, 15% im gelben, immerhin 69% im grünen Bereich. Die Werte sind etwas besser als die der Vorgängerstudie aus 2008, der allerdings eine kleinere und damit andere Stichprobe zugrunde lag. Für 2008 ist der rote Bereich (erhöhte Insolvenzgefahr) unserer Einschätzung nach aufgrund der ungünstigen Gesamtsituation auf 27% angestiegen, 2009 dürfte er aber wieder auf 15% absinken. Da die Jahresüberschüsse 2009 beträchtlich steigen, sollten dann drei Viertel aller Krankenhäuser schwarze Zahlen schreiben. Ab 2010 dürfte der Anteil der Kliniken im roten Bereich jedoch erneut ansteigen. Ohne produktivitätssteigernde Maßnahmen dürfte sich die Situation künftig erheblich verschlechtern, der Anteil der Häuser im roten Bereich könnte sich dann bis 2020 auf fast 30% erhöhen.

Kleine Krankenhäuser schneiden im Rating signifikant schlechter ab als große oder mittelgroße, westdeutsche schlechter als ostdeutsche, öffentlich-rechtliche schlechter als private oder freigemeinnützige. Bei öffentlich-rechtlichen Häusern liegen 2006/2007 24% im roten Bereich, bei freigemeinnützigen 10% und bei privaten 14%. In Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen liegen besonders viele Kliniken im grünen und nur wenige im roten Bereich. Auch in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg fällt der Anteil im roten Bereich vergleichsweise niedrig aus, allerdings ist hier der Anteil im gelben Bereich sehr hoch. Das Insolvenzrisiko wird offenbar unter anderem durch eine Fokussierung des Leistungsangebots reduziert. Keinen statistisch signifikanten Einfluss hat hingegen beispielsweise, ob eine Klinik Teil einer Klinikkette ist und ob sie sich in privater oder freigemeinnütziger Trägerschaft befindet.

Verhältnismäßig wenig ausländische Patienten lassen sich in Deutschland behandeln

Bezüglich der Patientenströme zeigen sich im Vergleich zum vorangegangenen Krankenhaus Rating Report keine großen Veränderungen. München ist weiterhin die Behandlungsregion mit dem deutschlandweit größten Nettopatientenzustrom, gefolgt von Frankfurt a.M., Heidelberg, Hamburg und den Kernstädten des Ruhrgebiets. Gemessen an der gesamten Patientenzahl vor Ort hat Heidelberg den deutlich größten Nettozustrom an Patienten. Insgesamt ließen sich 2006 auch rund 64.000 ausländische Patienten in deutschen Krankenhäusern behandeln, das sind aber nur etwa 0,4% aller Patienten. Die meisten von ihnen stammten aus Europa, vor allem aus den europäischen Nachbarstaaten Deutschlands. Die Zahl der Patienten aus dem außereuropäischen Ausland ist relativ gering. Erwähnenswert sind allerdings rund 1.000 Patienten aus Kuwait und 900 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Medizinische Versorgungszentren und Investitionspauschalen erhöhen Effizienz

In Zukunft wird die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), in denen sich Ärzte, Krankenhäuser, Heilmittelerbringer und andere mit dem Ziel einer gesteigerten Effizienz zusammenschließen können, voraussichtlich weiter wachsen. Mitte 2008 gab es bereits 1.150 MVZ mit mehr als 5.000 Ärzten, von denen drei Viertel fest angestellt waren. Bei den KHG-Fördermitteln sollten die Bundesländer die Möglichkeit des KHRG nutzen, eine Investitionspauschale einzuführen. Wie die Studie zeigt, weisen Krankenhäuser in Bundesländern mit einem hohen Anteil an pauschalen Fördermitteln ein signifikant niedrigeres Insolvenzrisiko auf als solche in Ländern mit einem geringen Anteil - auch nach Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren auf das Rating. Entsprechend sollten die Bundesländer ab 2011 schrittweise ihre Investitionsfinanzierung umstellen, um die rückläufigen öffentlichen Mittel effizienter einzusetzen.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Boris Augurzky (RWI Essen) Tel.: (0201) 81 49-203,
Dr. Sebastian Krolop (ADMED GmbH) Tel.: (02238) 47 53 00
Sabine Weiler (Pressestelle RWI Essen), Tel.: (0201) 81 49-213,

Dieser Pressemitteilung liegt die Studie "Krankenhaus Rating Report 2009: Im Auge des Orkans" zugrunde. Sie enthält unter anderem grafische Darstellungen auf Deutschlandkarten und Krankenhausbenchmarks. Das Executive Summary ist unter www.rwi-essen.de/mat als Heft 53 der "RWI : Materialien" und unter www.admed.com als pdf-Datei erhältlich. Die vollständige Studie kann für 260 Euro inkl. MwSt. beim RWI Essen, der HCB GmbH oder der ADMED GmbH bestellt werden.

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