Leibniz Science Campus Ruhr

Forschungsbereich

Konsequenzen regionaler Unterschiede in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen – Geographie als Instrument

Der intensivere Einsatz von Medizintechnik wird weithin als der Hauptgrund für den Anstieg der Kosten im Gesundheitswesen gesehen. Darüber hinaus ist er ein wichtiger Erklärungsfaktor für die enorme regionale Variation der Kosten im Gesundheitswesen. Allerdings mangelt es an Evidenz für die Kostenwirksamkeit der weit verbreiteten Technologien.

Der „Goldstandard“ der Behandlungsbewertung ist die randomisierte kontrollierte Studie (RCT englisch: randomized controlled trial), weil unbeobachtete Faktoren, die direkt mit den gesundheitlichen Ergebnissen korrelieren, zu verfälschten Ergebnissen in nicht-randomisierten Beobachtungsstudien führen können. Allerdings sind die RCTs nicht in der Lage, auf andere Bevölkerungsgruppen und Rahmenbedingungen, die sich von denen in der Studie unterscheiden, zu verallgemeinern. Sie sind oft nicht umsetzbar oder unethisch und nicht gut geeignet, um Technologieeffekte für die Politikberatung zu bewerten. Darüber hinaus lassen  sich mit RCTs meist keine langfristigen Kostendaten sammeln, was eine direkte Analyse der Kostenwirksamkeit verhindert.

Daher werden häufig Beobachtungsdaten verwendet, um die Ergebnisse von alternativen medizinischen Behandlungen zu untersuchen und um Kosteneffekte abzuschätzen. Ein Strang der Literatur verwendet geographische Informationen als Instrument zur Abschätzung der (Kosten-) Wirksamkeit von Behandlungen in Beobachtungsstudien. Die Idee ist, dass geographische Faktoren (wie die Entfernung zu Behandlungseinrichtungen) zu erheblicher Variation in den Behandlungsvariablen führen, aber keine direkte Auswirkung auf das interessierende Ergebnis haben. Für Deutschland gibt es bisher keine Studie, die die Geographie als Instrument zur Bewertung der Kostenwirksamkeit ausgewählter klinischer Behandlungen verwendet.

In diesem Projekt analysieren wir die Auswirkungen der regionalen Variation in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und nutzen Geographie als Instrument, um die Auswirkungen der regionalen Variation zu identifizieren. In einer Anwendung wollen wir die Grenzkosten und Ergebnisse invasiv kardialer Verfahren in Deutschland schätzen. Unsere Studie ergänzt bestehende Studien, indem 1) detaillierte administrative Daten über einen längeren Zeitraum verwendet, 2) umfassende Robustheitskontrollen mit alternativen Instrumenten durchgeführt und 3) neue Erkenntnisse über die inkrementelle Kosteneffektivität dieser Verfahren für Deutschland bereitgestellt werden.

Die Ergebnisse eines der inkrementellen Kosteneffektivität sind für die politischen Leitlinien hinsichtlich der Verbreitung dieser medizinischen Technologien von Bedeutung. Sie sind insbesondere für Entscheidungen über Maßnahmen relevant, die die Bereitstellung dieser medizinischen Technologien etwas erhöhen oder verringern, indem die Erstattung oder die Regulierung geändert wird. Solche Entscheidungen können für Regionen mit sinkender Bevölkerung besonders relevant sein, da diese Regionen besonders durch Ressourcenallokation und Zentralisierung betroffen sein können.

Projektleiter: Prof. Dr. Ansgar Wübker

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