Wachstum und JKonjunktur

Wachstum und Konjunktur

Projekt: Konsumindikator

RWI-Indikator verheißt lebhafteren Konsum im ersten Quartal

Pressemitteilung vom 1. März 2012

Der RWI-Konsumindikator ist im vierten Quartal 2011 auf 67,4 gestiegen. In der Vergangenheit wies der Indikator einen Vorlauf von einem Quartal gegenüber der Veränderung der Konsumausgaben auf. Dies lässt für das erste Quartal 2012 einen wieder lebhafteren Konsum erwarten. Für das zweite Quartal deutet sich allerdings eine Verlangsamung an, da der Indikator im ersten Quartal dieses Jahres – geschätzt auf Basis der Werte für Januar und Februar – wieder auf 41,1 gesunken sein dürfte. Die im vierten Quartal 2011 beobachtete Konsumschwäche hatte der Indikator zutreffend vorhergesagt.

RWI-Konsumindikator März 2012

 

Die aktuellen Werte sind mit der erstmaligen Veröffentlichung des Konsumindikators vom 15. Dezember 2011 nicht vollständig vergleichbar, weil die Internet-Plattform Google das Klassifizierungssystem für die Suchbegriffe im Dezember 2011 aktualisiert hat. Im Zuge dessen wurde die Selektion der in den RWI-Konsumindikator eingehenden Suchkategorien auch für die zurückliegenden Quartale angepasst. Der Zusammenhang zwischen Indikator und Konsum wurde durch diese Modifikation allerdings nur unwesentlich beeinflusst.

Bisherige Veröffentlichungen des Indikators

Ansprechpartner

Prof. Dr. Roland Döhrn

Prof. Dr. Roland Döhrn

Tel.: (0201) 8149-262

Dr. Torsten Schmidt

Dr. Torsten Schmidt

Tel.: (0201) 8149-287

Simeon Vosen

Simeon Vosen

Tel.: (0201) 8149-263

Hintergrundinformationen

Zur Konstruktion des RWI-Konsumindikators

Der private Konsum ist mit einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 60% die wichtigste gesamtwirtschaftliche Verwendungskomponente. Er ist allerdings vergleichsweise schwer zu prognostizieren. Dies liegt unter anderem daran, dass die vorhandenen Frühindikatoren wie der von der GfK im Auftrag der EU-Kommission erhobene Konsumklimaindex oder die Einzelhandelsumsätze nur einen schwachen Zusammenhang mit der späteren tatsächlichen privaten Konsumnachfrage aufweisen.

Inzwischen wird das Internet zunehmend dazu genutzt, um sich im Vorfeld geplanter Käufe über das Angebot und die Preise zu informieren; nach einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes taten dies 2009 rund 86% der Internetznutzer. Drei Viertel von ihnen kaufen inzwischen Waren oder Dienstleistungen über das Internet. Internetsuchmaschinen nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Dies gilt insbesondere für die Suchmaschine Google mit ihrem Marktanteil von rund 90%.

Der neu entwickelte RWI-Konsumindikator versucht daher, Informationen zur Suchintensität, die von Google wöchentlich bereitgestellt werden, für die Prognose des privaten Konsums zu nutzen. Google weist den Anteil der Suchanfragen nach 605 Kategorien und Unterkategorien zum jeweiligen Zeitpunkt aus. Bei der Berechnung der relativen Suchhäufigkeit einer Kategorie greift Google allerdings nicht auf die gesamte Datenbasis zurück, sondern zieht täglich eine Zufallsstichprobe. Dies hat zur Folge, dass die für einen identischen Suchbegriff ausgewiesenen Indexreihen von Abfrage zu Abfrage leicht variieren. Deshalb wird bei der Berechnung des RWI-Konsumindikators nicht nur auf die jeweils aktuelle Stichprobe zurückgegriffen. Stattdessen werden für jeden Beobachtungszeitpunkt die Ergebnisse von mehreren Stichproben gemittelt, die im Tagesrhythmus gezogen wurden. Dadurch wird eine hinreichend hohe Stabilität der Zeitreihen gewährleistet.

Zur Konstruktion des Indikators werden aus den von Google angebotenen Kategorien 41 ausgewählt, die für die privaten Konsumausgaben relevant sind. Die Auswahl erfolgt anhand der in der Tabelle dargestellten Untergliederung der privaten Konsumausgaben nach Verwendungszwecken in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) des Statistischen Bundesamtes. Dabei werden nur Reihen entweder aus Ober- oder aus einzelnen Unterkategorien verwendet, um etwaige aus Dopplungen resultierende Verzerrungen zu vermeiden.

Die Google-Zeitreihen liegen auf Wochenbasis für den Zeitraum ab 2004 vor und sind nicht saisonbereinigt. Sie werden zunächst über eine einfache Durchschnittsbildung zu Monatsdaten aggregiert und mit einem statistischen Verfahren (CENSUS X12 ARIMA) saisonbereinigt. Im nächsten Schritt werden die 41 Einzelindikatoren zu einem Gesamtindex verdichtet, indem aus den Vormonatsveränderungen der Google-Zeitreihen ein monatlicher „Diffusionsindex“ gebildet wird. Dieser gibt an, wie groß der prozentuale Anteil der betrachteten Einzelreihen ist, die in einem Monat gestiegen sind. Anschließend wird dieser Index, der Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann, zu einem Index auf Quartalsbasis aggregiert.

Verwendungszwecke der privaten Konsumausgaben gemäß VGR und zugeordnete Google-Kategorien

SEA-Nr. bzw. Verwendungszweck gemäß VGR / Google-Kategorien

01: Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke
Alkoholfreie Getränke, Lebensmitteleinzelhandel

02: Alkoholische Getränke, Tabakwaren
Alkoholische Getränke, Tabakprodukte

03: Bekleidung und Schuhe
Modelabels und Designer, Schuhe, Dessous und Unterwäsche

04: Wohnung, Wasser, Strom, Gas u.a. Brennstoffe
Abfallentsorgung, Strom, Öl und Gas, Wohngebäudeversicherung, Hausfinanzierung

05: Einrichtungsgegenstände (Möbel), Apparate, Geräte u. Ausrüstungen für den Haushalt sowie deren Instandhaltung
Haushaltsgeräte, Wohnmöbel, Heimwerken, Innenausstattung, Haushalt und Inneneinrichtung

06: Gesundheitspflege
Krankenversicherung, Medizinische Einrichtungen und Dienstleistungen, Medikamente und Arzneimittel

07: Verkehr
Fahrzeugkauf, Fahrzeugmarken, Autoersatzteile, Autofinanzierung, Fracht- und Güterkraftverkehr

08: Nachrichtenübermittlung
Mobil und Drahtlos, Dienstanbieter

09: Freizeit, Unterhaltung und Kultur
Foto und Video, Zeitungen, Unterhaltung, Kartenverkauf, Unterhaltungselektronik, Videospiele, Buchhändler

10: Bildungswesen
Bildung

11: Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen
Hotels und andere Unterkünfte, Restaurants

12: Andere Waren und Dienstleistungen
Finanzen und Versicherungen, Gesichts- und Körperpflege, Haarpflege und Haarpflegeprodukte, Soziale Dienste

Unsere Untersuchungen ergaben, dass der so konstruierte RWI-Konsumindikator gegenüber dem privaten Verbrauch einen Vorlauf von einem Quartal aufweist. Er eignet sich damit als Kurzfristindikator nicht nur für Prognosen des laufenden Quartals, sondern liefert auch gute Informationen für das jeweils kommende Quartal. Die Abbildung zeigt den Index vom ersten Quartal 2004 bis zum dritten Quartal 2011 zusammen mit den Veränderungsraten des saisonbereinigten privaten Konsums. In dieser Darstellung wurde der RWI-Konsumindikator zur Veranschaulichung um ein Quartal verzögert dargestellt. Insgesamt zeichnet der Index die Schwankungen in den Vorquartalsveränderungen des saisonbereinigten privaten Konsums durchweg gut nach. Der starke Rückgang des Konsums im ersten Quartal 2007, der vor allem auf die damalige Mehrwertsteuererhöhung zurückzuführen war, spiegelt sich zwar nicht in einem besonders ungünstigen Wert des Konsumindex wider. Jedoch zeigte dieser auch damals die richtige Tendenz an. Daneben wurde auch der deutliche Rückgang des Konsums im zweiten Quartal 2011 nicht angezeigt. Hier bleibt aber abzuwarten, in welcher Richtung das Statistische Bundesamt die Veränderungsrate noch revidieren wird. Die Erfahrung zeigt, dass der Konsumindikator die „endgültigen“ Veränderungsraten des Konsums besser nachzeichnet als die aus der ersten Publikation des Statistischen Bundesamtes berechneten.

RWI-Konsumindikator und Private Verbrauchsausgaben


Weiterführende Literatur

RWI (2010), Analyse und Prognose des Spar- und Konsumverhaltens privater Haushalte. RWI Projektberichte. download

Schmidt, T. und S. Vosen (2012), A Monthly Consumption Indicator for Germany Based on Internet Search Query Data. Applied Economics Letters 19 (7): 683-687.

Schmidt, T. und S. Vosen (2011), Forecasting Private Consumption: Survey-based Indicators vs. Google Trends. Journal of Forecasting 30 (6): 565-578.

Schmidt, T. und S. Vosen (2010), A Monthly Consumption Indicator for Germany Based on Internet Search Query Data. Ruhr Economic Papers #208. RWI. download

Schmidt, T. und S. Vosen (2009), Forecasting Private Consumption – Survey-based Indicators vs. Google Trends. Ruhr Economic Papers #155. RWI. download